Durchgeführte Veranstaltungen/Beteiligungen

Roma und Sinti - Geschichte, Gegenwart, Zukunft in der Europäischen Union
Symposium der Konrad-Adenauer-Stiftung M-V zusammen mit dem Edith-Stein-Haus Parchim und der Paneuropa-Union M-V
Datum/Uhrzeit:    21. – 23. Oktober 2011
Ort:                         Parchim
unter Beteiligung von Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft (Das Programm)


Tagung am 6. Juni 2008 in Darmstadt, Foyer, Justus-Liebig-Haus "Zigeunerbilder" in der Wahrnehmung von Multiplikatoren

Im Rahmen des Lokalen Aktionsplans Darmstadt führte der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen, in Kooperation mit der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V. und dem Institut für Pädagogik - Darmstadt eine Umfrage in Darmstädter Schulen über „Zigeunerbilder“, wie sie Lehrkräften bekannt sind, und über die Grundlage der Vermittlung der Themen „Antiziganismus“ und „Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma“ durch.
Die Ergebnisse der Umfrage wurden am 6. Juni vorgestellt. Es referierten für die Gesellschaft für Antiziganismusforschung:
• Dr. Udo Engbring-Romang (Historiker/Politologe): Die Ergebnisse zweier Umfragen
• Margit Romang, M.A. (Historikerin/Dokumentarin): Presseberichterstattung
• Prof. Dr. Wilhelm Solms (Literaturwissenschaftler): „Zigeunerbilder"

Die Referate sind abgedruckt im Band:
"Zigeunerbilder" in Schule und Unterricht.
Herausgegeben von Adam Strauß
ISBN 978-3-939762-03-4
120 S., Preis: 8,50 €


„Die Stellung der Kirchen zu den deutschen Sinti und Roma“

Tagung am 26./27. Januar 2007 im Historischen Saal des Rathauses in Marburg

Programm

Freitag, 26. Januar 2007

10.15 Uhr
Begrüßung

10.45 Uhr
Prof. Dr. Wilhelm Solms: Historischer Überblick über das Thema

11.30 Uhr
Dr. Udo Engbring-Romang: „Sie haben keine Religion“? Dokumente eines Aberglaubens

12.00 Uhr     Diskussion

12.30 Uhr     Mittagspause

14.30 Uhr
Dr. Antonia Leugers: Die Verfolgung der Sinti und Roma im Dritten Reich in Publikationen katholischer Kirchenhistoriker

15.30 Uhr     Diskussion

15.45 Uhr     Kaffeepause

16.15 Uhr
Dr. Peter Sandner: Die Rolle von Wilhelm Kempf und anderen katholischen Kirchenleuten gegenüber den Sinti und Roma in den Frankfurter Zwangsinternierungslagern

Dr. Stephan M. Janker: Neue Spuren zu den Mulfinger Kindern

17.30 Uhr     Diskussion

18.00 Uhr     Kleiner Imbiss im Rathaus

anschließend:

20.00 Uhr
„Auf Wiedersehen im Himmel“. Die Kinder der „St. Josefspflege“ in Mulfingen.
Filmvorführung und Diskussion.



Samstag, 27. Januar 2007

09.30 Uhr
Katharina Neumeister: Die „Evangelische Zigeunermission“ in den 50er bis 70er Jahren und die Haltung der Kirchenleitung der EKD

10.00 Uhr
Barbara Danckwortt: Sozialarbeit für „Zigeuner“ in den 60er und 70er Jahren

10.30 Uhr Diskussion

11.00 Uhr Kaffeepause

11.15 Uhr
Dr. Gernot Haupt: Anmerkungen zur Roma-Seelsorge in Oesterreich

12.30 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr
Pfarrer Dr. Andreas Hoffmann-Richter: Antiziganismus als Thema des Religionsunterrichts

15.00 Uhr
Pfarrer Jan Opiéla: Zur Seelsorge für Sinti und Roma

15.30 Uhr     Diskussion

16.00 Uhr     Kaffeepause

16.20 Uhr
Podiumsdiskussion
Thema: Kirchliche Seelsorge und Sozialarbeit.
Teilnehmer: Pfarrer Hoffmann-Richter, Pfarrer Opiéla, Samson Lind, Wilhelm Solms




17.45 Uhr    Ende der Tagung


2008 ist der 5. Band der Beiträge für Antiziganismusforschung erschienen:
"Die Stellung der Kirchen zu den deutschen Sinti und Roma", herausgegeben von Udo Engbring-Romang und Wilhelm Solms
ISBN 978-3-939762-02-7 166 S., Preis: 14.50 €uro (für Mitglieder: 10,00 € zzgl. Porto)

Bestellungen über den Buchhandel oder buero@antiziganismus.de


"Antiziganismus in Europa - Antiziganismus in der Region "
Gegenwart – Gegenstrategien

Mittwoch, 25. Januar 2006, 14.00 bis 19.30 Uhr in Stuttgart

    

Eröffnung durch Prof. Dr. Wilhelm Solms, Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V.


1.  Block:Antiziganismus und Förderung  der Minderheit  im europäischen Kontext

Françoise Kempf, Europarat, Secretariat of the Framework Convention for the Protection of National Minorities, Strasbourg: Möglichkeiten des Minderheitenschutzes angesichts des Antiziganismus. Einführung in die Thematik

Herbert Heuß, Projektbüro zur Förderung von Roma-Initiativen, Heidelberg/Sofia Civil society, desegration - neue Perspektiven für Roma. Aktueller Antiziganismus als Reaktion auf die Modernisierung. Beispiel Bulgarien

Dr. Gernot Haupt, Klagenfurt: Antiziganismus und die Neuorientierung der Sozialarbeit: Österreich und Rumänien

2.  Block:Antiziganismus und die Lage der Minderheit in Baden-Württemberg

Margit Romang, M.A., Dokumentarin der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V., Marburg: Sinti und Roma im Spiegel der Presse. Beispiele der Berichterstattung in Baden-Württemberg

Dr. Udo Engbring-Romang, wiss. Mitarbeiter beim Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, Heidelberg: Der Minderheitenbericht 2005 des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg

3. Block: Minderheitenförderung zur Chancengleichheit und wie begegnet die Politik dem Antiziganismus?

Podiumsdiskussion mit Vertretern der im Landtag vertretenen Fraktionen: Inge Utzt (SPD), Hans Heinz (CDU), Theresia Bauer (GRÜNE) und H. Dämichen (F.D.P.), Daniel Strauß (Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma)

Moderation:  Prof. Dr. Wilhelm Solms


 

Kolloquium über den kirchlichen Antiziganismus am 4. Juni 2004 in Frankfurt

Zu einem Kolloquium zum Thema "Kirche und Antiziganismus" am 4. Juni 2004 hatten die Gesellschaft für Antiziganismusforschung e. V. und die Evangelische Kirche Hessen-Nassau aufgerufen. Trotz der Verbreitung über Internet an mehr als 4.500 Wissenschaftler/innen und kirchliche Institutionen meldeten nur knapp 30 Personen ihr Interesse, zwanzig sich für das Kolloquium an.

Von den Einladenden und Anwesenden in Frankfurt wurde bedauert, dass die universitär verankerten Fachvertreter der Religionsgeschichte, der Religionswissenschaften, der evangelischen und katholischen Theologie und der Geschichtswissenschaften nicht erschienen waren. In Einzelfällen wurde aber die Nichtteilnahme durch Schreiben entschuldigt und ein durchaus vorhandenes Interesse an dem Thema bekundet.

Nach einer Vorstellungsrunde der anwesenden Literaturwissenschaftler, Soziologen, Ethnologen, Historiker und Theologen verlas Andreas Lipsch eine Erklärung von Bischof Huber anlässlich der Gedenkfeier zu Ehren des Widerstandes der Sinti und Roma in Auschwitz im Jahre 1944 am 16. Mai 2004 im deutschen Außenministerium in Berlin, in der er auf die großen Versäumnisse der evangelischen Kirche gegenüber der Geschichte der Sinti und Roma aufmerksam machte.

Andreas Lipsch wies auch darauf hin, dass die Initiative zu einer stärkeren Wahrnehmung der Sinti und Roma innerhalb der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau vom Landesverband Hessen des Verbandes Deutscher Sinti und Roma ausgegangen sei. In einem Arbeitskreis wird über die Vermittlung der besonderen Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma ebenso diskutiert wie über die curriculare Verankerung der Verfolgungsgeschichte und der Antiziganismusforschung an Bildungseinrichtung der evangelischen Kirche.

Anschließend führte Wilhelm Solms inhaltlich in das Thema ein. Er betonte, dass es verschiedene Ebenen in der Betrachtung und Analyse des christlichen Antiziganismus gebe: den kirchlichen der Institution, den theologischen der Wissenschaft und den religiösen, der im Zusammenhang mit der sogenannten Volksfrömmigkeit wahrgenommen werden kann. Dass es all diese Formen von Antiziganismus gebe, wurde nicht in Frage gestellt. Auch verwies er auf die häufige Unterstellung aus der Mehrheitsbevölkerung, dass Sinti und Roma Heiden oder Nicht-Christen seien oder dass ihr angenommenes Christentum nur oberflächlich sei: "Sie sind zwar getauft, aber…"

Im ersten Referat legte W. Solms drei Luther-Zitate und ein Zitat von Georg Agricola aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor. Bei den Luther-Zitaten war überraschend, dass innerhalb der Formulierung einer antijudaistischen Position Luther die Zigeuner als Sinnbild überall zerstreute "lose buben" einsetzte - dies zeigt, dass auf Bettler und Vaganten bezogene Vorurteile im Bewusstsein Luthers und seiner Leser auf die Sinti und Roma übertragen worden waren - und dass er diese Vorurteile seinerseits auf die "Juden" übertrug. Wenn Luther auf das Elend und die Unterdrückung der "Zigeuner" verweist, so zielt er damit nicht auf die "Zigeuner, sondern auf die Juden, wie auch Martin Stöhr betonte.

In der Diskussion über den Beginn der Ausschließung der Roma und Sinti aus den europäischen Gesellschaften wiesen Udo Engbring-Romang und Sevasti Trubeta auf die ursprüngliche Akzeptanz als Pilger, die mit Schutzbriefen versehen waren, hin. Der Status der - christlichen - Pilgerschaften verlieh ihnen das Recht zu wandern, verbot ihnen aber offensichtlich die Möglichkeit der Ansiedlung. Allerdings muss das Erscheinen der Sinti und Roma aus dem Osten in Mitteleuropa im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Osmanischen Reiches gesehen werden, die in Europa als Bedrohung wahrgenommen wurde.

In ihrem Referat über "Religiöse Motive in der Literatur der Romantik" besprach Stefani Kugler die Novelle "Isabella von Ägypten" des Spätromantikers Achim von Arnim. Sie stellte die Quellen vor, die Armin benutzte. Er blieb frühneuzeitlichen Quellen verbunden und nahm die Autoren, die die Herkunft der Roma und Sinti aus Indien ermittelt hatten, nicht wahr. Die "Zigeuner" werden als "befreites Gottesvolk" in einer eigenen Geschichtlichkeit konstruiert. "Die Herstellung nationaler Identität steht deutlich im Vordergrund der Geschichtskonstruktion, bei der die beiden Minderheiten der Zigeuner und der Juden in einen unmittelbaren Zusammenhang mit den historischen Veränderungen in Deutschland im Übergang zur Moderne gebracht werden."

Den "Zigeunern" als "utopische Hoffnungsträger" werden die Juden als Vertreter des Prinzips des Kapitalismus oder auch des Bösen gegenübergestellt.

Mit der Konstruktion der "Zigeuner" wird eine reaktionäre Utopie einer vorkapitalistischen, feudalen Gesellschaft formuliert. Die Idealgesellschaft der "Zigeuner" ist ein homogenes Ägypten, in dem es keinen Platz für Fremdheit gibt. "Das von den Zigeunern verkörperte Ideal liegt in einer gänzlich homogenen Nation, in der kein Platz für Fremdheit und Differenz ist: Religiöse und kulturelle Minderheiten, Zigeuner ebenso wie Juden, werden zwangsläufig aus einem solchen monokulturellen Modell ausgeschlossen."

Zu Ende gedacht, werden beide Minderheiten, Juden und "Zigeuner", aus Europa ausgeschlossen: das "Jüdische" zerstört, die "Zigeuner" nach Ägypten und aus der Zeit verbracht. Hinter den Konstruktionen erkannte St. Kugler ein "massives Gewaltpotential".

Joachim Krauß stellte die Zwischenergebnisse seiner Feldforschungen über eine evangelische Roma-Kirchengemeinde in Siebenbürgen vor. Nach der Abwanderung der deutschen Bevölkerung in den 1980er/1990er Jahren hatten hier die ansässigen Roma die Gemeinde und ihre Verwaltung übernommen. Schon etwa seit 1800 lebten im Umkreis von ca. 20 Gemeinden, in denen die "Sachsen" die Bevölkerungsmehrheit bildeten, Roma. Sie waren aber lange Zeit von der deutschen Bevölkerungsmehrheit nicht als vollwertige Gemeindemitglieder anerkannt worden.

Seit wann die Roma in diesem Gebiet sesshaft waren, ließ sich nicht ermitteln. Die Geschichte zwischen deutscher Bevölkerung und Roma-Bevölkerung war nicht widerspruchsfrei. So setzte sich der Pfarrer der Gemeinde für die Roma während der Zeit des Nationalsozialismus ein, traute sie 1943 kirchlich und beantragte gleichzeitig für sich die Aufnahme in die Waffen-SS, weil er von der Rassenideologie der Nationalsozialisten überzeugt war. Aber die etwa 3.000 Roma gerieten hier nicht in das System des Völkermordes.

Die Gemeindestatistik unterschied aber immer zwischen Seelen (= Sachsen) und "Zigeunern". Letztere durften nicht an den Gemeindewahlen teilnehmen, hatten bis 1945 keinen Zugang zu den Schulen, sie hatten separate Plätze in der Kirche. Sie durften erst dann eintreten, wenn das "letzte sächsische Kind" die Kirche betreten hatte. Unterschiedliche Behandlungen gab es auch beim Abendmahl und bei der Bestattung. Bei den Festen wurden Roma nur als Musiker zugelassen.

Nach der ersten Flucht der Deutschen 1944 und der Rückkehr nach 1945 bis zur endgültigen Auswanderung der Deutschen zwischen den 1960er und 1990er Jahren änderten auch die Homogenisierungsbestrebungen der rumänischen Regierung nur wenig. Allerdings nahm der Anteil der "Deutschen" - zu denen auch die Roma gezählt wurden - seit den 1930er Jahren wegen der Zuwanderung von Rumänen bis zur Dominanz ab.

Die Übernahme der Gemeinde durch Roma war somit nach der Abwanderung der "Sachsen" in den späten 1980er Jahren fast konsequent. Die Felduntersuchung hatte ergeben, dass es unter der Roma-Bevölkerung keine Analphabeten gebe und dass Kinder das deutschsprachige Gymnasium besuchten. Die materielle und soziale Lage der Roma-Familien hat sich nach 1996 drastisch zum Negativen verändert, weil sie bei den Privatisierungsaktionen in Rumänien regelmäßig diskriminiert wurden. Im Ort gelten die Roma als "zivilisiert". Die Entwicklung in dieser Gemeinde kann aber nicht als Modell gesehen werden. Was bislang ausstehe, sei eine nachhaltige Unterstützung dieser Roma-Gruppe durch die evangelische Kirche.

Ein zusammenfassendes Papier über die Rolle der katholischen Kirche und der "Zigeunerseelsorge" in Belgien seit 1830, verfasst von Toon Machiels, wurde verteilt.

In das Thema "Zigeuner-Madonnen" führte eine kurze Stellungnahme von Christina Kalkuhl ein. Sie erwähnte Otto Müller: Zigeunerin mit der Pfeife" und drei zwischen 1512 und 1520 geschaffene "Zigeuner-Madonnen" von Tizian, Boccacino und Correggio. Lohnenswert erscheint hier ein Blick auch auf die "schwarzen Madonnen", die von einem Teil der gläubigen Roma verehrt werden.

Hinsichtlich der Perspektiven einer weiteren Arbeit wurde einvernehmlich festgestellt, dass das Thema "Antiziganismus in den Kirchen" ein Desiderat der Forschung sei.

Die Referate und Papiere wie auch die Absagen machten deutlich, dass auf dem Gebiete der Antiziganismusforschung noch weite Gebiete unerforscht sind. Es reicht im Grunde nicht einmal für eine Bestandsaufnahme, die Grundlage weiterer Forschungen sein könnten. Deshalb wurde - übereinstimmend - zur weiteren Vorgehensweise angeregt, mindestens zwei Längsdarstellungen zum christlichen Antiziganismus aus historischer und aus religionswissenschaftlich-theologischer Perspektive erstellen zu lassen, um eben diese Grundlagen für weitere Querschnitts- und Detailforschungen zu haben. Dies sollte möglichst innerhalb eines ein- bis zweijährigen Zeitraumes geschehen, um dann erste Ergebnisse und auch Detailforschungen in einer Tagung oder einem Sammelband einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen.

Notwendig erscheint die Einbindung der katholischen und evangelischen Kirchen in diesen Prozess.

Udo Engbring-Romang